Fachkräftemangel und Klimawandel

11.12.2019

Was haben diese Probleme gemeinsam? Ich denke, Einiges. Wir leben in einer Gesellschaft, die mit Ressourcen umgeht, als seien sie endlos vorhanden. Das betrifft Rohstoffe, Luft zum Atmen, Wasser und das wichtigste von allen: Manpower.

In unserer Gesellschaft werden entstehende Probleme zurzeit vor allem mit der Methode „mehr Personaleinsatz“ gelöst - und das bei allgegenwärtigen Fachkräftemangel. Logik hat das nicht.

Unser Herr Gesundheitsminister musste schon bekennen, dass er sich die Leute auch nicht aus den Rippen schneiden kann und reist nun durch die Welt, um in Rumänien und Mexiko Pflegekräfte zu finden.

Ob das klappt, ist fraglich, denn wer soll die Leute dort pflegen? Die Mexikaner haben jedenfalls schon mal Ablehnung bekundet.

Ich finde, man sollte mal einen anderen Weg versuchen:

Priorisierung von gesellschaftlichen Aufgaben. Natürlich steht da die Pflege ganz vorn.

Priorisiert werden muss die Krankenpflege in Kliniken, das Personal bei Polizei und Feuerwehr und nicht zuletzt die fachliche Gesundheitsvorsorge und die Behandlung im oralen Bereich - die Zahnmedizin.

Und vor allem hier könnten unsere gewählten Volksvertreter einiges bewirken:

die Reduktion von völlig sinnlosen Verwaltungsaufgaben zum Beispiel. Seit Jahren steht bei mir eine Reihe von Aktenordnern zum QM im Regal. Sie werden nur zum Staubwischen bewegt. Arbeitsanweisungen sind für jeden Handgriff formuliert – jeder normal intelligente Mensch legt die Dinger nach zwei Sätzen weg, weil er sich veralbert fühlt. Unser Hygienemanagement ist mittlerweile weltraumfähig – ohne dass es jemals in deutschen Zahnarztpraxen ein Hygieneproblem gegeben hätte. Und nebenbei: Die Schlawiner, die sich nicht an grundlegende mit dem Medizinstudium erworbene Hygieneprinzipien halten, denen helfen auch keine Barcodes, das RKI oder Validierungen. Papier ist geduldig und wer schreibt, der bleibt, das wussten schon unsere Vorfahren.

Der Gipfel des Ganzen ist das neue QS-System, das, wie der Name schon sagt, eine Qualitätsverbesserung bringen soll. Qualität entsteht durch Verantwortung, Fortbildung und adäquates Honorar - und nicht durch konstruierte Kausalitäten, die zu noch mehr Dokumentation führt. Völliger Wahnsinn ist die an die QS gekoppelte Arbeitszeit von Mitarbeitern und Kollegen, die allesamt Besseres zu tun hätten. Und das vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels.

Ich fordere die Verantwortlichen für die immer weiter zunehmende Überwachung und Bürokratie auf, endlich mal nachzudenken und nicht immer mehr Kontrolle zu installieren. Mit weniger Bürokratie kämen wir vielleicht auch mit unseren Fachkräften aus. Und die würden dann nebenbei bemerkt nicht zu den besser bezahlten Jobs in Verwaltung und Krankenkassen abwandern, denn sie hätten einen tollen Job, der Sinn stiftet und Spaß macht.

Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann geht unser schönes deutsches ambulantes Gesundheitswesen völlig den Bach runter und landet irgendwo zwischen rumänischem Kassensystem und britischem NHS. Ein tolles Europa, wobei das mit den Briten ja noch nicht so klar ist. Und das unabhängig von Einzelpraxis oder MVZ. Ob Herr Spahn schon mal überlegt hat, wo die Ursachen für die Einführung seines Terminservicegesetzes liegen? Vielleicht gäbe es mit weniger Bürokratie mehr Facharzttermine?

Wir werden sehen – doch niemand soll sagen, wir hätten nicht gewarnt.

 

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